Gad und Doron Kaynar-Kissinger zeigen Theaterfassung des Briefromans „Adressat unbekannt“ (November 2025).

Gad und Doron Kaynar-Kissinger – stammen - wie schon ihr Name vermuten lässt - aus einer alteingesessenen  jüdischen Familie der Kurstadt, deren Wurzeln sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Ihr Großvater Albert Kissinger (1881-1941) betrieb am Marktplatz ein renommiertes Herrenkonfektionsgeschäft mit Maßschneiderei.

Anfang November besuchten beide wieder einmal die Heimat ihrer Familie und nahmen dies zum Anlass, am 7. November im katholischen Pfarrzentrum mit einer szenischen Lesung von Katherine Kressmann Taylors „Adressat unbekannt“ bewusst zu machen, in welch dramatischer Geschwindigkeit sich eine menschenverachtende Ideologie Bahn brechen kann und sich Menschen aus Opportunismus und schließlich aus Überzeugung zu willfährigen Werkzeugen einer brutalen Diktatur entwickeln.

In dem 1938 erstmals veröffentlichten Briefroman, der auf authentischen Briefen zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers „Machtergreifung“ basiert, zeichnet die amerikanische Autorin die dramatische Entwicklung einer Freundschaft , die zunehmend in  Distanz und schließlich abgrundtiefe Feindschaft umschlägt, als sich Martin Schulse in Deutschland zum Mitläufer und bald auch zum fanatischen Nationalsozialisten entwickelt und den Kontakt mit seinem jüdischen Geschäftspartner Max Eisenstein beenden möchte.

Gad und Doron Kaynar-Kissinger inszenierten dieses literarische Meisterwerk von beklemmender Aktualität in einer eigenen Fassung, und ihre nuanciert und überzeugend vorgetragene Veränderung der beiden Briefpartner hinterließ einen tiefen Eindruck beim Publikum.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde betont, wie unglaublich schnell sich viele Menschen wie Martin Schulse mit dem neuen Regime arrangierten und zu Mitläufern und Mittätern wurden und auch den Antisemitismus und die Rassenidee als unausweichliche Notwendigkeit akzeptierten. Angesichts des wachsenden Antisemitismus in jüngster Zeit ist Taylors Briefroman deshalb gerade heute wieder von besonderer Aktualität.

Auch den beiden Akteuren war anzumerken, dass die Premiere des Stücks in Bad Kissingen - der früheren Heimat ihrer Familie, der sie sich eng verbunden fühlen - für sie etwas Besonderes war.

Weitere Informationen:

Artikel Saale-Zeitung/Mainpost vom 24. Oktober 2025externer Link

Saale-Zeitung Saale-Zeitung, 34 KB

Biografien zu Gad und Doron Kissingers Vorfahren (im Biografischen Gedenkbuch…):

Albert Kissinger

Jennifer Kissinger

Max Kissinger

Ernst Kissinger