Personendaten


Lamm Lotte

Nachname
Lamm
Geburtsname
Adler
Vorname
Lotte
Geburtsdatum
29.09.1915
Geburtsort
Bad Kissingen
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Hirsch und Therese geb. Rosenthal
Geschwister: Karl (Kalonymus), Johanna (Hannah) verh. Reins, Suse
Ehemann: Sammy Lamm
Kinder: Henriette Miriam, Salomon Steven

Adresse

Theresienstraße 5b (heute 10)

Beruf/Ämter
Emigration/Deportation

Oktober 1934 emigriert nach Den Haag/Scheveningen
später über Belgien/Kuba emigriert in die USA

Sterbeort/Sterbedatum
USA - begraben in Jerusalem - Juli 1980

Biografie


Lotte kam am 29. September 1915 als Tochter von Hirsch Adler und dessen Frau Therese geb. Rosenthal in Bad Kissingen zur Welt. Ihr Vater hatte dort nach der Heirat im Jahr 1911 das Wäsche- und Manufakturwarengeschäft seiner Schwiegereltern in der (damaligen) Theresienstraße 1 übernommen. Dem Ehepaar Adler wurden zwischen 1912 und 1920 vier Kinder geboren. Die drei Mädchen gingen in Bad Kissingen nach der Anton-Kliegl-Volksschule auf das angesehene Institut der Englischen Fräulein in der Hartmannstraße, wo sie unter ihren nichtjüdischen Mitschülerinnen viele Freundinnen fanden. Da am Schabbat zahlreiche Tätigkeiten für orthodoxe Juden verboten sind, waren ihnen ihre Freundinnen am Samstag in der Schule behilflich, indem sie für sie mitschrieben und ihnen die Schultaschen trugen. Am Sonntag besuchten sie den jüdischen Religionsunterricht bei Rabbiner Dr. Seckel Bamberger. Die Adlers verlebten eine unbeschwerte, schöne Kindheit in der Badestadt. Das Leben in Bad Kissingen erschien zu dieser Zeit noch ruhig und friedlich. Das Angebot der jüdischen Gemeinde war - bedingt durch die zahlreichen jüdischen Kurgäste aus dem In- und Ausland - vielfältig und anspruchsvoll. Hirsch und Therese Adler unternahmen zudem sehr viel mit ihren Kindern. Besonders gerne spielten sie Schach, Dame und Ping Pong mit ihnen oder machten Wanderungen mit der ganzen Familie. Sie legten aber auch Wert darauf, ihre Kinder mit der jüdischen Religion und der Thora vertraut zu machen. Ihre Kinder sollten fest in der jüdischen Tradition verankert sein und sich dabei gleichzeitig als loyale deutsche Staatsbürger fühlen.

Mit dem Beginn der NS-Diktatur wurde die wirtschaftliche Situation vor allem auch durch die Boykottmaßnahmen für die Familie zunehmend prekärer. Nach der Pogromnacht und der Haft Hirsch Adlers im KZ Dachau war dem Ehepaar Adler klar, dass es fortan viel zu gefährlich wäre, weiter in Deutschland zu bleiben. Therese und Hirsch Adler unternahmen alle denkbaren Anstrengungen, um ihre Kinder ins Ausland in Sicherheit zu bringen und selbst ins Exil zu gehen. Lotte Adler, die im August 1932 nach Hammelburg gezogen war (wo ihr Bruder zu diesem Zeitpunkt als Lehrer tätig war), war bereits Ende Oktober 1934 von Bad Homburg aus nach Den Haag/Scheveningen emigriert, wo sie bei der Familie von Max Hirschmann als Dienstmädchen Wohnung und Anstellung fand. Der 1901 in Fischach geborene Max Hirschmann und seine Frau Senta geb. Bamberger lebten seit 1933 mit ihren vier Kindern in der Leuvenschestraat 20. Als Lotte im Februar 1939 ihren Mann Sammy Lamm in Den Haag/Scheveningen heiratete, konnte sie bei ihrer Hochzeit ihren Vater Hirsch Adler begrüßen, der erst kurz zuvor aus dem KZ Dachau mit der Auflage entlassen worden war, Deutschland möglichst rasch zu verlassen. Es war, wie Tirza Cohen, die Nichte Lottes, sagt, eine „traurige und fröhliche Hochzeit zugleich“. Hirsch Adler war sehr niedergeschlagen, weil er sich Sorgen um das Schicksal seiner in Deutschland zurückgebliebenen Familienmitglieder machte.

Nach der Hochzeit zogen Lotte und Sammy Lamm nach Belgien, wo ihr erstes Kind zur Welt kam. Von Belgien aus gelang es ihnen, nach Kuba auszuwandern. Kuba war damals eines der wenigen Länder, das jüdische Flüchtlinge ohne größere Schwierigkeiten aufnahm. Später gelang ihnen die Einreise in die Vereinigten Staaten, wo ihr zweiter Sohn das Licht der Welt erblickte. Sie entschieden sich, in Amerika zu bleiben, ließen sich aber nach ihrem Tod auf dem Ölberg in Jerusalem begraben. Lotte Lamm starb im Juli 1980 im Alter von 66 Jahren.

Ihrem Vater Hirsch, dem 1939 zunächst die Flucht nach Holland geglückt war, gelang es auch noch die jüngste Tochter Suse aus Bad Kissingen nachzuholen, doch auch die Flucht nach Holland konnte die beiden nicht retten. Sie wurden 1942 aus dem von deutschen Truppen besetzten Holland deportiert und ermordet. Ihre Geschwister Karl und Johanna überlebten dagegen die NS-Zeit und lebten nach dem Krieg in Israel.

Lamm-Samson
Lottes Ehemann Samson Lamm


Quellenangaben


gekürzter Textauszug aus: Hans-Jürgen Beck, Kissingen war unsere Heimat, Stand 2017, S.957ff
Meldeunterlagen der Stadt Bad Kissingen
Myheritage Stammbäume Johanna Adlerexterner Link

Bildnachweise




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