Personendaten


Bamberger Simon (Simcha), Dr.

Nachname
Bamberger
Vorname
Simon (Simcha)
Geburtsdatum
27.12.1899
Geburtsort
Schrimm/bei Posen
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Seckel und Nannette Bamberger
Geschwister: Sarah,  Kehla, Seligmann Bär,Iyras verh. Adler, Moses Löb, Adelaide verh. Jutkowski
Ehefrau: Gertrude geb. Drielsma

Adresse

Promenadestraße 5c (heute 17)

Beruf/Ämter
Rabbiner
Emigration/Deportation

emigriert Februar 1939 nach Palästina

Sterbeort/Sterbedatum
Jerusalem - 03.10.1957

Biografie


Simcha Simon Bamberger wurde am 27. Dezember 1899 in Schrimm (Posen) als Sohn des Rabbiners Seckel und dessen Frau Nannette Bamberger geboren.

Als der Vater seine Rabbinatsstelle in Bad Kissingen antrat, zog die Familie in die Kurstadt. Im Juli 1915 schloss Simon den Besuch der königlichen Realschule Bad Kissingen mit sehr großem Erfolg ab. Die letzten beiden Jahre seiner Zeit an der Kissinger Realschule war er auch Mitglied des Bayerischen Wehrkraftvereins, der im November 1909 von 40 jungen Offizieren der Münchner Garnison gegründet und ein Vierteljahr später Mitte März 1910 offiziell ins Leben gerufen worden war. Rasch etablierte er sich als eine Art bayerischer Landesverband des Deutschen Pfadfinderbunds, der unter der Protektion von Prinzregent Luitpold stand und von den Militärbehörden lebhaft gefördert wurde. Hatte er sich doch eine „Hebung der Wehrhaftigkeit“ durch eine enge Verknüpfung von Heer und Schule zum Ziel gesetzt. Im Mittelpunkt standen praktische Körperertüchtigung und eine vormilitärische Ausbildung der Jungen. Da oftmals nicht genügend Turnhallen zur Verfügung standen, spielte das Wandern eine große Rolle. 1913 gab es in Bayern 18 Ortsgruppen mit 300 Führern, die meist aktive oder inaktive Offiziere waren, und 3100 Jungen. Die Mitgliedschaft Simon Bambergers in der Kissinger Ortsgruppe des Bayerischen Wehrkraftvereins lässt eine gewisse patriotische Grundhaltung und eine Begeisterung für die zeitgenössische Jugendbewegung erkennen. „Als solcher“, so das Anfang Juni 1917 ausgestellte Führungszeugnis Simon Bambergers, „hat er sich in jeder Hinsicht bewährt. Voll Eifer hat er an allen militärischen Übungen mit stets gleich großem Interesse teilgenommen und hat sich in folge[!] seiner gewissenhaften Pflichterfüllung das Vertrauen und die volle Zufriedenheit seiner Führer erworben. Er ist entsprechend der Richtlinien für militärische Jugend-Erziehung ausgebildet worden.“

Nach Ende seiner Schulzeit studierte Simon Bamberger wie sein Vater an der Rabbinerschule in Berlin. Seine Dissertation reichte er 1923 an der Universität Würzburg ein. Um 1924/25 ging er dann als Lehrer an die Talmud-Thora-Schule in Köln. 1928/29 wurde er Nachfolger von Jonas Ansbacher als Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft Stuttgart. In der schwäbischen Metropole trat er der 1913 gegründeten Stuttgarter Freimaurerloge „Licht am Stein“ bei.

Als Simon und sein Bruder Moses Loeb im November 1938 nach Bad Kissingen kamen, um am vierten Todestag das Grab des Vaters zu besuchen, wurden sie zusammen mit ihrer Schwester Kehla Bamberger in der Pogromnacht verhaftet. Am Nachmittag des 10. Novembers kettete man die beiden Rabbiner zusammen mit anderen Kissinger Juden wie Schwerverbrecher aneinander und trieb sie vom Amtsgerichtsgefängnis durch die Stadt zum jüdischen Friedhof. Die Söhne des ehemaligen Kissinger Rabbiners baten die Polizeibeamten, ihnen diese Entehrung und Demütigung doch zu ersparen, und versprachen ihnen dafür, nicht zu fliehen. Die Polizeibeamten gingen auf ihre Bitte jedoch nicht ein. Am Friedhof angekommen, mussten sie mit den anderen jüdischen Gefangenen an einer von den Polizisten bezeichneten Stelle die Erde ausheben. Die Kissinger Polizei glaubte nämlich in Erfahrung gebracht zu haben, dass „vor einiger Zeit verschiedenes, belastendes Material“ im jüdischen Friedhof vergraben worden sei. Statt des erwarteten „belastenden Materials“ fand die Polizei aber lediglich eine Reihe von unbrauchbar gewordenen Büchern und Thorarollen, die nach jüdischem Brauch in einem eigenen Grab beigesetzt worden waren. Nach Beendigung der Grabung wurden die jüdischen Gefangenen wieder Hand an Hand gekettet und auf entwürdigende Weise zum Amtsgerichtsgefängnis zurückgeführt. Simon und Moses Löb Bamberger wurden sogar noch auf zynische Weise gezwungen, eine Kurtaxe für ihren Aufenthalt in Bad Kissingen in Höhe von 10 Reichsmark zu zahlen. Anschließend wurden die beiden Brüder von Kissingen aus ins KZ Dachau deportiert, später aber wieder freigelassen.

Nach seiner Freilassung wanderte Simon Bamberger im Februar 1939 nach Palästina aus, wo er ab 1943 als Leiter einer religiösen Mittelschule und als Rabbiner an einer Synagoge in Bnei Brak tätig war. Dort starb er 1957 im Alter von erst 58 Jahren. Verheiratet war Dr. Simon Bamberger mit der in Berlin geborenen Gertrude Drielsma, die vor der Emigration die niederländische Staatsbürgerschaft besaß.

33_Simon (Simcha) Bambberger im Familienkreis 1924
Simon (Simcha) Bamberger im Familienkreis 1924
Simon-und-Gertrude-Bamberger
Dr. Simon Bamberger und seine Ehefrau Gertrud geb. Drielsma


Quellenangaben


Angaben z.T. entnommen aus Hans Jürgen Beck: Kissingen war unsere Heimat, Stand 2017, S. 433ff und 442ff) 
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfrankenexterner Link
Schülerakte Jack-Steinberger-Gymnasium

Bildnachweise


Familienfoto © Dr. Shaul Yutav, Tel Aviv
Ehepaar Bamberger © Israel's archives are going onlineexterner Link



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