Personendaten
Berliner Karl (Kalmann)
Eltern: Daniel (Chaim) Berliner und Pinet geb. Czesnaber
Ehefrau: Dina Weiss
Kinder: Ignatz, Salomon, Bernhard, Regina
Maxstraße 7 (1921 - 1924)
Theresienstraße 1 (1925 - 1927)
September 1942 deportiert von Nürnberg ins Ghetto Theresienstadt
Biografie
Karl (Kalmann) Berliner hielt sich in den 1920er Jahren in Bad Kissingen auf und betrieb hier während der Sommermonate ein Saisongeschäft. Im Winter wohnte der Kaufmann weiterhin in Nürnberg.
Karl Berliner kam im Mai 1866 im galizischen Grybow
(dt. Grünberg) als Sohn des Gutsbesitzers Daniel (Chaim) Berliner und seiner Frau Pinet geb. Czesnaber zur Welt. Galizien gehörte damals zur Habsburger Monarchie. Seit 1918 ist die Kleinstadt Grybow polnisch und Teil der Woiwodschaft Kleinpolen. Karl Berliner heiratete die ebenfalls in seiner Heimatstadt geborene Dina Weiss (*1856), mit der er vier Kinder hatte, die alle in Grybow geboren wurden: Ignatz (*1889), Salomon (*1891), Bernhard (*1893) und Regina (*1896). In den darauffolgenden Jahren zog die Familie ins nahe gelegene Nowy Sacz (dt. Neu-Sandez).
Im September 1910 wanderte die Familie nach Deutschland aus und ließ sich in Nürnberg nieder. Seit November 1918 war die Familie in der Himpfelshofstraße 1 gemeldet. Laut Nürnberger Adressbuch betrieb Karl (Kalmann) Berliner an der Fleischbrücke einen Handel mit Seide und Wolle und in der Königstraße eine Zigarrenhandlung, in Gerhard Jochems Zusammenstellung der jüdischen Gewerbetreibenden wird eine Textil-Großhandlung Kalman Berliner in der Himpfelshofstraße 1 aufgeführt.
Im Juli 1921 zog Karl Berliner zum ersten Mal nach Bad Kissingen und wohnte bis zum Ende der Kursaison in der Maxstraße 7. In der Meldekarte ist als Beruf Kaufmann angegeben, nähere Einzelheiten sind nicht bekannt. Wahrscheinlich betrieb er hier während der Sommermonate ein kleines Saisongeschäft. Im Oktober ging er zurück nach Nürnberg. Auch in den nächsten Jahren hielt sich Karl Berliner jeweils von April bis Oktober in der Kurstadt und verbrachte die Wintermonate an seinem Hauptwohnsitz in Nürnberg. Ab 1925 wohnte er in der Theresienstraße 1. Im Oktober 1927 meldete er sich endgültig nach Nürnberg ab.
Seine Frau Dina war im August 1926 im Alter von 70 Jahren in Nürnberg gestorben.
Karl Berliner und seine Kinder lebten auch in den 1930er Jahren weiterhin in Nürnberg und betrieben dort Handel (vgl. Nürnberger Adressbücher), nur Karls Sohn Salomon, der 1918 die in Nowy Sacz geborene Helene Henriette Ostermann geheiratet hatte, zog im August 1933 mit seiner Frau nach Krakau, möglicherweise auch nach Nowy Sacz, der Geburtsstadt seiner Frau. Die Minderheitenvolkszählung von 1939 zeigt, dass Kalmann (72), Ignatz (50) und Bernhard (45) Berliner zu diesem Zeitpunkt in einem gemeinsamen Haushalt in der Himpfelshofstraße 1 leben.
Ignatz und Bernhard Berliner wurden während des Novemberpogroms 1938 festgenommen und in Dachau vorübergehend inhaftiert. Bernhard, der seit 1939 mit der in Nürnberg geborenen Hilde(gard) Schwab (*1912) verheiratet war, gelang als einzigem die Flucht aus Deutschland. Seine Frau war bereits im August 1939 in die USA emigriert. Er verließ Nürnberg im Februar 1940 und emigrierte über Italien zunächst nach La Paz/Bolivien und später nach Lima/Peru. Im April 1942 konnte er in die Vereinigten Staaten zu seiner Frau ausreisen. Bernhard Berliner starb in New York im März 1963.
Ignatz und Regina Berliner, die vor ihrer Deportation in der Himpfelshofstraße wohnten, wurden im April 1942 nach Krasniczyn deportiert und ermordet, die genauen Todesumstände sind nicht bekannt.
Auch Salomon Berliner und seine Frau Helene Henriette, die 1933 nach Polen zurückgegangen waren, überlebten die NS-Zeit nicht. Auf Salomons Meldekarte ist vermerkt, dass sie nach dem Krieg „für tot erklärt wurden". Zu den Todesumständen Salomons ist nichts bekannt, für Helene Berliner existiert ein Gedenkblatt bei der Zentralen Datenbank der Holocaustopfer Yad Vashem. Demnach wurde sie von Nowy Sacz ins Vernichtungslager Belzec deportiert und ermordet. Als Todesjahr ist 1942 angegeben.
Karl Berliner musste in die Knauerstraße 27 in ein sog. „Judenhaus"
umziehen, eine Art Sammellager, das für mindestens 156 Bewohner zur letzten Station vor ihrer Deportation wurde. Im September 1942 wurde Karl Berliner von Nürnberg ins Ghetto Theresienstadt deportiert und starb dort im Januar 1943 an den unerträglichen Lagerbedingungen.
Quellenangaben
Meldekarte Karl Berliner, Stadtarchiv Bad Kissingen
Datenbank Myheritage, Kalman (Karl) Berliner In Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939![]()
Datenbank Myheritage, Kalman Karl Berliner In Deutschland, jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, 1933-1945![]()
Liste der Nürnberger Shoaopfer![]()
Datenbank Ancestry, Regina Berliner in der Sammlung Europa, Registrierung von Ausländern und deutschen Verfolgten, 1939-1947![]()
Datenbank Myheritage, Regina Berliner In Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939![]()
Datenbank Myheritage, Regina Berliner In Deutschland, jüdische Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung, 1933-1945![]()
Datenbank Mapping The Lives, Bernhard Berliner![]()
Datenbank Myheritage, Bernhard Berliner In Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939![]()
Datenbank Familysearch, Einbürgerungsdokumente Bernhard Berliner New York![]()
Datenbank Myheritage, Bernard Berliner In U.S. Sterbe-Verzeichnis der Sozialversicherung (SSDI)![]()
Arolsen Archives Online, Einträge Ignatz und Bernhard Berliner im Häftlingsbuch Dachau![]()
Arolsen Archives Online, Bernhard Berliner![]()
Datenbank Myheritage, Hildegardt Berliner (geb. Schwab) In Deutsche Minderheiten-Volkszählung 1939![]()
Datenbank Ancestry, Bernhard Berliner in der Sammlung New York, USA, Listen ankommender Passagier und Besatzungen (einschließlich Castle Garden und Ellis Island), 1820-1957![]()
Datenbank Ancestry, Hildegard Berliner in der Sammlung New York, USA, Listen ankommender Passagier und Besatzungen (einschließlich Castle Garden und Ellis Island), 1820-1957![]()
Datenbank Ancestry, Hildegarde Berliner in der Sammlung New York, USA, bundesstaatliche und föderale Einbürgerungsregister, 1794-1943
Nürnberger Adressbücher online, u.a.
1909, erstmals Bernhard aufgeführt![]()
1911, erstmals auch Kalmann![]()
1919, jetzt Bernhard, Kalmann, Ignatz und Regina![]()
1937: Kalmann, Ignatz und Bernhard, Himpfelhofsstraße 1![]()
1939: nur noch Ignatz eingetragen
Stadtarchiv Nürnberg C 21/X Nr. 1. Meldekarten Kalman Berliner, Ignatz Berliner, Bernhard Berliner, Salomon Berliner und Regina Berliner
Bildnachweise
Kalmann Berliner © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/566
Ignatz Berliner © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/565
Bernhard Berliner © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/562
Hildegard Berliner geb. Schwab © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/564
Regina Berliner © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/570 (Foto 2)
Regina Berliner © Stadtarchiv Nürnberg C 21/VII Nr. 12/570 (Foto 3)
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