Personendaten


Latz Benno, Dr.

Nachname
Latz
Vorname
Benno
Geburtsdatum
02.08.1878
Geburtsort
Berlin
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Emil Latz und Natalie geb. Manheimer
Geschwister: Martha verh. Meschelsohn später Moeser, Richard
Ehefrauen: Anita geb. Marx und Ethel geb. Bamberger
Kinder: Gottfried, Dorothea (Doly), Helmut, Hans (John)

Adresse

Menzelstraße 8

Beruf/Ämter
Arzt (Klinikleitung)
Emigration/Deportation

1938 emigriert in die USA

Sterbeort/Sterbedatum
New York - 02.10.1953

Biografie


Dr. Benno Latz war ein renommierter Facharzt, der aufgrund seiner Kompetenz an verschiedenen Kliniken die medizinische Leitung ausübte. In Bad Kissingen wirkte er die letzten Jahre vor seiner Emigration.

Benno Latz kam am 2. August 1878 als jüngstes Kind des Kaufmanns Emil Latz und dessen Ehefrau Natalie geb. Manheimer in Berlin zur Welt. Seine älteren Geschwister Martha (*1873) und Richard (*1875) erblickten ebenfalls in Berlin das Licht der Welt.

Benno Latz besuchte das traditionelle Französische Gymnasium in Berlin, an dem er 1897 sein Abitur ablegte. Dann studierte er zunächst Philosophie und Geschichte an der Universität Leipzig, wechselte jedoch 1899 an die Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin, wo er ein Medizinstudium begann. Er setzte sein Studium in Heidelberg, Leipzig und Kiel fort, wo er 1903 mit Staatsexamen und Promotion abschloss. Nach seinem Medizinstudium praktizierte Dr. Benno Latz wohl zunächst für einige Jahre in Berlin und machte unter anderem experimentelle Studien an der Charité Berlin, wie Veröffentlichungen aus dieser Zeit zeigen. Im April 1906 heiratete er - der zum evangelischen Glauben konvertiert war - Anita Marx, mit der er vier gemeinsame Kinder hatte, die zwischen 1907 und 1920 in Bad Homburg geboren wurden. Dr. Benno Latz war Co-Direktor im "Sanatorium Dr. Pariser", einer international renommierten Kurklinik, die sich auf die Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen sowie von Essstörungen spezialisiert hatte. Viele Kurgäste reisten nicht nur aus Berlin und dem nahen Frankfurt an, sondern auch aus dem Zarenreich.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Benno Latz als überzeugter Patriot zu den Waffen und diente als medizinischer Offizier. Die Folgen der Nachkriegsinflation machten der Bad Homburger Klinik finanziell zu schaffen, so dass das Sanatorium 1920 schließen musste (vgl. Jüdische Pflegegeschichte, Jüdische Orte der Kur – die Sanatorien Dr. Pariser, Dr. Rosenthal und Dr. Goldschmidt in Bad Homburg, S.3).

Dr. Benno Latz praktizierte in den 1920er- und 1930er-Jahren in Wiesbaden und war dort als Facharzt für innere Krankheiten im "Sanatorium Nerotal" tätig. Er war an dieser Klinik für innere, Stoffwechsel- und Nervenkrankheiten zeitweise einer der leitenden Ärzte und praktizierte noch bis 1935 in der Klinik als Belegarzt. In diesem Jahr musste er auf Druck der Nationalsozialisten die Klinik verlassen. 1933/34 veröffentlichte er in Wiesbaden eine Publikation mit dem Titel „Mein Deutschland - Bekennerworte den nicht-arischen Frontsoldaten gewidmet von Benno Ernst Latz“. Es verwundert, dass es ihm gelang zu diesem Zeitpunkt noch ein solches Werk drucken zu lassen. Vielleicht nur deshalb, weil der Druck „für den Verfasser in nur 200 abgezählten und signierten Exemplaren“ erfolgte (Vgl. Looted Cultural Assets - NS-Raubgutexterner Link). Das  Buch ist zutiefst patriotisch und erzählt, wie stolz Benno Latz war, im Ersten Weltkrieg für sein Land zu kämpfen.

Zitat-b.-Latz
                                     
schrift-mein-deutschlND-VON-B.LATZ

2016 hat die Bibliothek der Freien Universität Berlin Kontakt mit Geoff Latz, dem Enkel von Dr. Latz, aufgenommen und das Buch seines Großvaters, das vermutlich von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden war, an ihn zurückgegeben. Geoff Latz hat es inzwischen ins Englische übersetzen lassen. Im Vorwort zu dem Buch sagt die Übersetzerin Angela Boyce: „Sein [Benno Latz’] Patriotismus ist durchweg so offensichtlich, dass er auf den ersten Blick als zu nationalistisch oder gar faschistisch interpretiert werden könnte, vor allem, da er in einer Zeit geschrieben wurde, als die Nazis die Macht ergriffen hatten. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn die Hintergrundgeschichte bekannt ist, dass Benno Latz selbst Jude war, der stolz zum Ausdruck bringen wollte, dass er genauso deutsch wie alle anderen sei.“ Sein Enkel Geoff steht dem Buch mit gemischten Empfindungen gegenüber: Einerseits ist er tief bewegt, ein kostbares Stück Geschichte in Händen zu halten, etwas Reales, das ihn mit seinen Wurzeln verbindet. „Auf eine andere Weise bricht es mir das Herz, weil ich heutzutage dieselbe Rhetorik wieder sehe. Es ist genau das Gleiche mit all dem, was passiert. Im Ersten Weltkrieg haben wir das gehört, wir haben im Zweiten Weltkrieg nichts gelernt und hier im Jahr 2018 lernen wir immer noch nicht“ (Telegraph & Argus, „Book seized in Nazi Germany returns to author's Bradford artist grandson Geoff Latz 80 years on“, 23.06.2018externer Link).

1936 ging Dr. Latz dann nach Bad Kissingen, wo er bis September 1937 die ärztliche Leitung im "Sanatorium Apolant" für den nach Amerika emigrierten Dr. Edgar Apolant jun. übernahm und eine Privatpraxis führte. Danach führte er noch einige Monate seine Privatpraxis weiter. Das Verhältnis zu seiner Chefin Emma Apolant war ausgesprochen gut und herzlich und von gegenseitiger Wertschätzung gezeichnet. Auch bei den Gästen des "Sanatoriums Apolant" erfreute er sich großen Zuspruchs, doch sah er sich zusammen mit der Familie Apolant judenfeindlichen „Verfügungen, Hetzen und Nachstellungen“ ausgesetzt, wie Charlotte Hasselbach, die mit ihrem Mann zu den Stammgästen des Apolant gehörte, 1948 zu berichten weiß.  „Die kleinlichsten Schikanen“, so Benno Latz in einem Brief an Heinz Schröder, dem Ehemann von Eva Schröder-Apolant aus dem Jahr 1950, „die offenkundigsten Bösartigkeiten, Verdächtigungen, Beschimpfungen reihten sich in steter Folge, eine an die andere. […] Frau Emmy Apolant und ich haben dann noch alle Schändlichkeiten des Jahres 1938 miterlebt. Ich wurde rechtzeitig gewarnt, so daß ich mich in Sicherheit bringen konnte, bevor die Novemberunruhen 1938 ausbrachen.“ (Recherche Hans-Jürgen Beck: Sta Wü: Nachlass Deeg 96). Und so verließ Benno Latz im Oktober 1938 Bad Kissingen und emigrierte über Rotterdam nach New York. Viele persönliche Gegenstände von Dr. Latz - von Kunstwerken wie einem Gainsborough und einem Canaletto bis hin zu Möbeln, Bronzen, Marmor und wertvollen Sammlungen alter Bücher - , die auch zeigen, wie vermögend Dr. Latz war, wurden beschlagnahmt, bevor er im Oktober 1938 Bad Kissingen verließ und über Rotterdam nach New York emigrierte.  Seine Frau Anita war noch vor der Flucht gestorben.

Seine Schwester Martha verh. Moeser, die in Wiesbaden geblieben war, wurde im Januar 1944 nach Theresienstadt deportiert, wenige Monate später nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

Glücklicherweise konnten alle vier Kinder von Benno Latz emigrieren und überlebten so die NS-Zeit.

Benno Latz, der seit 1939 in zweiter Ehe mit Ethel Bamberger verheiratet war, baute sich auch in New York wieder eine eigene Praxis auf. Er starb im Oktober 1953 in New York im Alter von 75 Jahren. Seine zweite Frau überlebte ihn um fast zweieinhalb Jahrzehnte: Sie verstarb am 9. November 1977 mit 86 Jahren in Philadelphia.


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Quellenangaben


Bildnachweise


Fotos und Dokumente aus "Mein Deutschland von Dr. Benno Latz  © Telegraph & Argus, „Book seized in Nazi Germany returns to author's Bradford artist grandson Geoff Latz 80 years on“, 23.06.2018externer Link
Webeanzeigen © Geoff Latz



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