Personendaten


Bach Viktor

Nachname
Bach
Vorname
Viktor
Geburtsdatum
18.12.1894
Geburtsort
Unsleben
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Gabriel und Minna Bach geb. Forchheimer 
Geschwister: Hedwig verh. Zeilberger, Rosa, Arthur, Martha, Selmar, Robert, Hugo
Ehefrau: Erna Benscher
Kinder: Ruth und Gabriel

Adresse

Hemmerichstraße 33 (heute 4)

Beruf/Ämter
(Realschüler) - Generaldirektor der "Hirsch Kupfer- und Messingwerke“ - Mitglied der israelischen Bank "Leumi"
Emigration/Deportation

November 1938 emigriert in die Niederlande 
April 1940 nach Palästina

Sterbeort/Sterbedatum
Jerusalem - 14.03.1987

Biografie


Viktor Bach erblickte am 18. Dezember 1894 als Sohn des Pferdehändlers Gabriel Bach und dessen Frau Minna geb. Forchheimer in Unsleben bei Mellrichstadt das Licht der Welt.

Er kam im September 1905 an die Kissinger Realschule und absolvierte im Juli 1911 mit guten Noten erfolgreich seinen Abschluss. Auch sein 5 Jahre jüngerer Bruder Arthur (der bereits 1924 verstarb) besuchte mehrere Jahre diese Schule. Beide wohnten während dieser Zeit in der Hemmerichstraße 33 beim Kissinger Eisenhändler Isaak Losmann.

Viktor Bach trat nach seinem Schulabschluss in Bad Kissingen auf Veranlassung seines Vaters als Lehrling in die Firma „Hirsch & Sohn" in Halberstadt ein. Mit großem Fleiß arbeitete er sich schnell empor und wurde in relativ jungen Jahren Prokurist in der Firma. In der Firma lernte er auch seine spätere Frau Erna Benscher kennen, die dort als Sekretärin arbeitete. Ihre beiden Kinder Ruth und Gabriel kamen 1923 und 1927 in Halberstadt zur Welt. In den folgenden Jahren stieg Viktor Bach zum Generaldirektor der zur Firma Hirsch gehörenden „Hirsch Kupfer- und Messingwerke“ in Eberswalde auf, das eines der bedeutendsten deutschen Metallwerke war. Er war auch sehr engagiert in der zionistischen Bewegung und wurde zum Direktor von „Keren Hayesod“, einem 1920 in London gegründeten Stiftungsfond, der im Sinne der Balfour Declaration die Sammlung der erforderlichen Geldmittel für den Aufbau eines jüdischen Staates organisierte. Die Bachs blieben nach Hitlers Machtübernahme weiter in Deutschland. Viktor Bach, Generaldirektor einer der größten Fabriken der Schwerindustrie in Deutschland, wurde sogar von Assistenten seiner Firma, die mit Göring befreundet waren, gebeten, in Deutschland zu bleiben. Als 1938 die Sudetenkrise ausbrach, wurden den Bachs vorübergehend die Pässe abgenommen, damit ihr Vater als kriegswichtige Person das Land nicht verlassen konnte.

Zwei Wochen vor dem Novemberpogrom emigrierte die Familie nach Holland. Der damals 11jährige Sohn Gabriel Bach erinnert sich an den dramatischen Grenzübertritt: „Und ich erinnere mich noch genau, wie an der holländischen Grenze SS-Leute in den Zug kamen und sagten: Familie Bach, raus! Wir mussten in einer Baracke die Koffer öffnen, und sie warfen alles in eine Ecke. Erst als sich der Zug wieder in Bewegung setzte, durften wir gehen. Wir liefen dem Zug nach, und ein SS-Mann trat mich in einen gewissen Körperteil. So wurde ich mit einem Fußtritt aus Deutschland hinausbefördert“ (Interview im Zeitmagazin vom 7.4.2011). Auch die Flucht aus den Niederlanden gelang im letzten Augenblick. Im April 1940 - einen Monat vor dem Einmarsch der deutschen Truppen - reisten die Bachs auf dem Schiff „Patria“, das bei der nächsten Überfahrt versenkt wurde mit 250 Todesopfern, nach Palästina und entkamen so der drohenden Deportation und Vernichtung. Dass Viktor Bach so lange mit der Emigration nach Palästina gezögert hatte, lag nach Aussagen seines Sohnes daran, „weil mein Vater die ganze Familie retten wollte. Und das ist ihm auch gelungen. Er hat alle Onkel, die in Dachau und Buchenwald waren, herausgeholt und ihnen Einreisebewilligungen für Palästina verschafft…. [Er] hat die Dinge vorausgesehen. In Israel sagten die Leute, mein Vater habe einen sechsten Sinn, wann man sich absetzen muss“ (Zeitmagazin vom 7.4.2011).

Viktor Bach wurde in Palästina bzw. Israel Mitglied der renommierten „Bank Leumi“, die in den 50er Jahren die Aufgaben einer israelischen Nationalbank ausübte. Er starb nach Angaben seines Sohnes im März 1987 im Alter von 92 Jahren. Seine Frau Erna war bereits im Juli 1978 in Jerusalem gestorben. 

Sein Sohn Gabriel studierte nach dem Krieg am „University College“ in London Jura. Im Jahr 1961 wurde er in der Öffentlichkeit bekannt als stellvertretender Generalstaatsanwalt und zweiter der drei Ankläger im Eichmann-Prozess, was sein Leben entscheidend verändern sollte. Im Jahre 1969 wurde er Generalstaatsanwalt in Israel. Nach der Berufung an den Obersten Gerichtshof Israels als Richter im Jahre 1982 wirkte Gabriel Bach dort bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1997.

Auch Viktor Bachs 1923 in Halberstadt geborene Tochter Ruth, die zeitlebens ledig blieb, lebt wie ihr Bruder in Jerusalem (Information von Gabriel Bach, Telefonat vom 04.02.2020).

Im nachfogenden Video Gabriel Bach, "Das Strafverfahren gegen Adolf Eichmann in Jerusalem"externer Link spricht Gabriel Bach über seine Erinnerungen an den Eichmann-Prozess, aber auch über biografische Details aus seiner Kindheit (2:00 min - ca. 10:00 min).

Erna-Benscher---Viktor-Bachs-Ehefrau
Viktor Bachs Ehefrau Erna geb. Benscher
Familie-Bach
Viktor Bach (2.v.l.) mit seiner Frau Erna und seinem Sohn Gabriel und dessen Familie
Viktor-Bachs-Sohn-Gabriel-Bach---einer-der-Ankläger-im-Eichmann-Prozess
Viktor Bachs Sohn Gabriel - einer der Ankläger im Eichmann-Prozess


Quellenangaben


Bildnachweise




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