Personendaten


Löwenthal Clothilde

Nachname
Löwenthal
Geburtsname
Ehrmann
Vorname
Clothilde
Geburtsdatum
20.06.1879
Geburtsort
Darmstadt
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Emanuel Ehrmann und Emma geb. Baer
Geschwister: Bertha verh. Gerst., Babette verh. Barnass, Berthold
Ehemann: Maier Löwenthal
Kinder: Irene (verh. Appel), Bertha, Fanny

Adresse

Promenadestraße 3 (heute 7)

Beruf/Ämter
Emigration/Deportation

August 1938 emigriert in die USA

Sterbeort/Sterbedatum

Biografie


Clothilde Löwenthal geb. Ehrmann kam am 20. Juni 1879 in Darmstadt als Tochter von Emanuel Ehrmann und Emma geb. Baer zur Welt. Sie heiratete im Juli 1903 in Darmstadt den Bad Kissinger Viehhändler Maier Löwenthal, der zunächst mit ihr in Darmstadt lebte. Dort wurde am 12. Juni 1904 ihre Tochter Irene geboren.

Im nächsten Jahr zog die Familie nach Bad Kissingen, wo auch die jüngeren Töchter Fanny (1906) und Bertha (1908) zur Welt kamen. Wie ihr Mann engagierte sich auch Clothilde in der jüdischen Gemeinde und war seit 1904 Mitglied im Israelitischen Wohltätigkeitsverein Chewra Kadischa.

Am 11. August 1938 verließ sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter Fanny Bad Kissingen, um nach Amerika zu emigrieren. In Amsterdam besuchten sie zuvor noch einige Tage die älteste Tochter Irene verh. Appel, die bereits 1933 in die Niederlande emigriert war.  Es sollten die letzten gemeinsamen Tage mit ihrer Tochter Irene sein. Irene Appel wurde nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen von Westerbork nach Auschwitz deportiert (1943) und  ermordet.  Am 30. August 1938 gingen Clothilde Löwenthal, ihr Mann Maier und ihre Tochter Fanny in Le Havre an Bord der „Ile de France“  und fuhren nach New York. Die Tochter Bertha war bereits ein Jahr zuvor in die USA emigriert. 1940 lebten alle gemeinsam in einer New Yorker Wohnung.

Auch Clothildes drei Geschwister Bertha verh. Gerst, Babette verh. Barnass und Berthold wurden Opfer der NS-Gewaltherrschaft.

Nach dem Tod ihres Mannes im Januar 1951 führte Clothilde Löwenthal die Korrespondenz mit dem Kissinger Bekannten weiter und schrieb an ihn: "[E]r war ein selten braver, tüchtiger Mensch, ich kann mich noch gar nicht dreinfinden, daß er nicht mehr da ist" (Brief vom 05.02.1951)... [E]r war selten tüchtig, wußte überall Rat. Ich habe viel verloren, wir waren 47 Jahre in glücklichster Ehe verheiratet. Es ist nur ein Glück für mich, daß meine liebe Fanny bei mir ist, das ist eine selten gute Tochter... Bertel [weitere Tochter] kommt jede Woche mit Mann und Kind zu uns, sie wohnt ziemlich entfernt von uns" (Brief vom 09.03.1951).

Clothildes Briefe lassen erkennen, dass ihre finanziellen Verhältnisse in den nächsten Jahren sehr angespannt waren und dass sie und ihre Tochter Fanny, die weiterhin bei ihr wohnte, sparsam und bescheiden leben mussten. Clothilde kam auch nur schwer über den Tod ihres Mannes hinweg. Aufgrund ihres Alters und ihrer gesundheitlichen Situation konnte sie Bad Kissingen nicht mehr besuchen, was sie gerne getan hätte: "Jetzt muss es doch so herrlich in dem schönen Kissingen sein, sind schon viele Kurgäste dort? Im Frühjahr ist es doch so herrlich dort, wenn ich nur an den schönen Rosengarten denke" (Brief vom 08.02.1959).

Im Juli 1959 konnte sie im großen Familienkreis ihren 80. Geburtstag feiern. Das letzte Lebenszeichen von ihr ist ein Brief ihrer Tochter Fanny vom Oktober 1963: Die inzwischen 84-jährige Clothilde lebte nach einem folgenschweren Sturz in ihrer Wohnung in einem New Yorker Pflegeheim.


Quellenangaben


Korrespondenz Maier/Clothilde Löwenthals mit einem Bad Kissinger Bekannten, Briefe in Privatbesitz
Meldebögen Stadtarchiv Darmstadt, Mail vom 08.08.2018
US Holocaust Memorial Museum/Holocaust Survivors and Victimsexterner Link
Hans-Jürgen Beck, Kissingen war unsere Heimat, Stand 2017, S. 694
US-Census 1940externer Link
Datenbank Familysearch, New York, Southern District, U.S District Court Naturalization Records, 1824-1946externer Link

Bildnachweise




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