Personendaten
Apolant Edgar jun., Dr.
Eltern: Edgar und Emma Apolant geb. Wolff
Geschwister: Eva verh. Schröder
Ehefrau: Valeska geb. Feuersta(c)k, 2.Ehefrau Hilda geb. Güssefeld, 3. Ehefrau Freja Inga Stokkebyen
Tante: Ella Apolant
Kinder: (aus dritter Ehe) Irene A., Robert M.
Menzelstraße 8
September 1936 emigriert in die USA
Biografie
Edgar Sigmund Apolant kam am 13. Juli 1894 in Posen als Sohn von Edgar sen. und Emma Apolant geb. Wolff zur Welt.
1903 zog er mit seinen Eltern nach Bad Kissingen. Nach Absolvierung seines Militärdienstes, bei dem er es bis zum Leutnant der Reserve brachte, studierte Edgar Sigmund Apolant in München, Berlin und Würzburg Medizin. Im Juni 1923 heiratete er in Bad Kissingen die 1897 in Oppeln geborene Valeska Feuerstack, die wie er 1922 an der Universität Würzburg promoviert wurde. Sie war Nichtjüdin und protestantisch getauft, was aber kein Problem war, denn bereits Edgars Eltern waren mit ihrer Familie zum protestantischen Glauben konvertiert. Doch Edgar und Valeska lebten sich rasch auseinander und so endete ihre Ehe bereits 1926 nach nur wenigen Jahren.
Nach seiner Scheidung heiratete Edgar Sigmund Apolant noch im selben Jahr die evangelische Wiesbadenerin Hilda Güssefeld (*1894). Zu seinen jüdischen Wurzeln hatte der Kissinger Arzt ein sehr distanziertes Verhältnis, wie seine Frau Hilda gegenüber ihrer Schwägerin Eva Schröder 1962 betont: „Edgar war in seiner ganzen Einstellung, wie ja Ihr Alle, so vollkommen un-jüdisch [,] daß er der Ansicht war, daß die Kinder [frei] von jeder Diskriminerung und jedem Minderwertigkeitsgefühl ihr Leben leben sollen.“ So verschwieg er seinen Kindern zu seinen Lebzeiten seine und damit auch ihre jüdischen Wurzeln ( Sta Wü: Nachlass Deeg, Akte 127, zitiert nach Hans-Jürgen Beck, Kissingen war unsere Heimat).
1929 übernahm er nach dem Tod seines Vaters die Leitung des Sanatoriums Apolant und lebte die folgenden Jahre während der Kursaison in Bad Kissingen, die restliche Zeit des Jahres in Berlin. Das Sanatorium Apolant war damals eines der modernsten und luxuriösesten Sanatorien für innere Erkrankungen und Diätkuren.
Doch die sich immer weiter zuspitzende politische Lage in Deutschland ließ Edgar Sigmund Apolant keine andere Wahl mehr, als in die USA auszuwandern. 1936 wurde er von Freunden, die in Berlin in einem Minsterium arbeiteten, gewarnt, dass seine Verhaftung unmittelbar bevorstünde. Der Arzt nahm diese Warnung sehr ernst und verließ Bad Kissingen. Er ging Ende September 1936 in Antwerpen an Bord der "S.S.Gerolstein", die im Oktober New York erreichte. Im Dezember 1938 heiratete er in Mount Vernon, NY seine dritte Frau Ida Freja Inga Stokkebyen, die in Reval/Estland geboren war. Apolant ließ sich zunächst im nahen Port Washington nieder und fand Anstellungen am Manhasset Medical Center sowie am North Shore Hospital in Manhasset auf Long Island/New York. Darüber hinaus war er als Allgemeinmediziner tätig. Er wurde Mitglied der „American Academy of General Practice“. 1939 zogen er und seine Frau an die Westküste, wo Edgar Apolant die Stellung des leitendenden Arztes am renommierten Arrowhead Springs-Sanatoriums bei San Bernardino/Kalifornien übernahm (Vgl. Kurzbiografie Edgar Sigmund Apolant, Gedenken & Erinnern, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. und dort verwendete Quellen: Los Angeles Times, 15.12.1939, S. 50; The San Bernardino County Sun, 22.5.1940, S. 13.)
In San Bernadino kamen kurz darauf ihre beiden Kinder Irene A. (1940 - ) und Robert M. (1941-2012) zur Welt. 1943 erhielt Edgar Apolant die amerikanische Staatsbürgerschaft. Die Familie kehrte später nach New York zurück und Edgar Apolant starb am 19. November 1956 in New Hempstead, Rockland, NY im Alter von 62 Jahren.
Quellenangaben
Meldeakten Stadt Bad Kissingen
Fritz König, Das Staatliche Luitpoldkrankenhaus in Würzburg, Berlin-Heidelberg, 1928, S. 73![]()
Hans-Jürgen Beck, Kissingen war unsere Heimat, S.948ff
Datenbank Familysearch, Passagierliste SS Gerolstein vom 26. September 1936, New York, New York Passenger and Crew Lists, 1909, 1925-1957![]()
Datenbank Familysearch, US-Census 1940![]()
Datenbank Familysearch, Einbürgerungsurkunde 1943![]()
Datenbank Familysearch, Familienstammbaum![]()
Datenbank Familysearch, Kurzbiografie![]()
Datenbank Genicom, Eintrag Robert M. Apolant![]()
Datenbank Myheritage, Volkszählung 1950 der Vereinigten Staaten![]()
Kurzbiografie Edgar Sigmund Apolant, Gedenken & Erinnern, Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. und dort verwendete Quellen: Los Angeles Times, 15.12.1939, S. 50; The San Bernardino County Sun, 22.5.1940, S. 13.)
Bildnachweise
Personenfotos © Karl Müller, Bopfingen, weitergeleitet von H.-J.Beck
Foto © Alemannia Judaica Bad Kissingen
Werbeanzeige Kissinger Adressbuch 1928/1930 © Stadtarchiv Bad Kissingen
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