Personendaten


Ehrlich Hans Josef

Nachname
Ehrlich (Ereli)
Vorname
Hans Josef (Joske)
Geburtsdatum
13.09.1921
Geburtsort
Bad Kissingen
Weitere Familienmitglieder

Eltern: Ludwig und Margarete (Grete) Ehrlich geb. Efrem
Geschwister: Suse und Felix (Phil)
Ehefrau: Rachel geb. Schenker
Kinder: Abner und Ronni, Neri

Adresse

Ludwigstraße 17 (heute 10)

Beruf/Ämter
Emigration/Deportation

September 1938 emigriert nach Palästina

Sterbeort/Sterbedatum
Tel Aviv - 04.11.2014

Biografie


Hans Josef Ehrlich stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Handelsfamilie. Sein Großvater Samuel Ehrlich hatte 1841 die Lizenz zum Stoffhandel erhalten und später ein Textilgeschäft in der Kissinger Oberen Markstraße eröffnet. Dessen Sohn Felix Ehrlich baute das Familienunternehmen weiter aus und erhielt die Auszeichnung „königlich-bayerischer Hoflieferant“. Seit 1887 führte er dann an der Ecke Ludwigstraße/Kurhausstraße ein florierendes Modehaus. Nach dessen Tod übernahmen die Söhne Franz und Ludwig das väterliche Geschäft, das ab 1925 schlicht „Modehaus Felix Ehrlich“ hieß. Ludwig Ehrlich hatte 1914 Margarete Efrem aus Bernstadt geheiratet und am 13. September 1921 kam Hans Josef als drittes und jüngstes Kind in Bad Kissingen zur Welt.

Er wuchs in einer wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell wohlsituierten Familie in der Atmosphäre des Kur- und Badeortes Bad Kissingen auf und empfand seine Kindheit bis 1933 als „wunderbar“. „Wir machten Ausflüge in die Rhön. Spaß machte es mir, mit dem Dampferle zu fahren und dann war ich auch oft beim Reiten im Tattersall.“ (vgl. Mainpost, 19. 10. 2007).

Die nationalsozialistische Machtergreifung Anfang der dreißiger Jahre führte schließlich zur Verstreuung der Familie über den ganzen Globus und zum Ende dieser Idylle. Im April 1932 trat Hans Josef in die Kissinger Realschule ein, die er bis ins Schuljahr 1935/36 besuchte; dann mussten jüdische Schüler die Schule verlassen. Deshalb wechselte er auf ein jüdisches Internat in Coburg, an dem er 1937 den mittleren Abschluss erreichte.

Als die Situation für die Familie durch die Ausgrenzungspolitik der Nationalsozialisten immer unhaltbarer wurde und Hans Josefs Eltern von den Nazis gezwungen wurden, ihr Geschäft zu verkaufen, emigrierte der damals Siebzehnjährige im September 1938 nach Palästina, wo er seinen Namen in Joske Ereli änderte. Er fand Zuflucht im Kibbuz Givat Brenner, widmete sich der Landwirtschaft, insbesondere als ambitionierter Traktorfahrer, und wurde Mitglied der „Hagana“, einer paramilitärischen jüdischen Untergrundorganisation, die zum Schutz der jüdischen Siedlungen gegen arabische Überfälle entstanden war. Er trat dem „Palmach“ bei, einer paramilitärischen Organisation, die unter anderem die Einwanderung jüdischer Flüchtlinge aus Europa gegen die britische Mandatsherrschaft unterstützte, und kämpfte als Soldat im Unabhängigkeitskrieg von 1948. Im Kibbuz Givat Brenner lernte er Rachel (Rochik) Schenker kennen, die er 1943 heiratete und mit der er zwei Söhne Neri (Abner) und Ronny hatte.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und vor Ausbruch des Unabhängigkeitskrieges (1948) kamen Joskes Eltern Grete und Ludwig aus England und zogen zu ihm und der Familie seiner Schwester Schoschana Ben David in den Kibbuz Givat Brenner. Bis 1954 blieb Joske Ereli in der israelischen Armee und hatte verschiedene leitende Positionen inne. Von Mitte der 50er Jahre bis 1967 arbeitete er in einer Tochterfirma der Jewish Agency und stand Neueinwanderern in landwirtschaftlichen Siedlungen mit mechanischer Ausrüstung und fachlicher Beratung zur Seite, danach war er 10 Jahre in einer Versicherungsgesellschaft in Tel Aviv für Personalverwaltung und für Instandsetzung zuständig. 

1977 begann für Joske Ereli und seine Frau ein neuer Lebensabschnitt: Sie zogen in den Kibbuz Ein Gedi am Toten Meer. Dort widmete er sich dem Thema Tourismus und kümmerte sich um die Betreuung vor allem deutschsprachiger Gruppen. Er nahm Kontakt mit seiner Heimatstadt Bad Kissingen auf und setzte sich nachdrücklich für den Dialog zwischen Deutschen und Israelis ein. Vor allem seinem Engagement ist die Landkreis-Partnerschaft zwischen Bad Kissingen und Tamar zu verdanken.  Für diese Verdienste verlieh ihm im Jahr 2001 die Stadt Bad Kissingen die Silberne Bürgermedaille und der Landkreis das Silberne Ehrenzeichen. Bis zu seinem Tod im Jahre 2014, wenige Monate nachdem seine Frau Rochik gestorben war, hat er die persönlichen Kontakte in seine Heimatstadt gepflegt und sich für den Ausbau der Beziehungen eingesetzt. 

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Klassenfoto-Hans Josef Ehrlich-2.-reihe-vorne-links

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Hans-Josef-Ehrlich-(Joske-Ereli) mit seiner Geige

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Joske Ereli (Hans Josef Ehrlich) und seine Ehefrau Rachel Schenker
80_Joske Ereli mit seiner Ehefrau Rachel
Joske Ereli mit seiner Ehefrau Rachel

 

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Familientreffen der Familie Ehrlich im Sommer 2000 in Bad Kissingen - vor dem früheren "Modehaus Ehrlich" in der Ludwigstraße, Joske Ereli (4. v.rechts)
 
80_Joske Ereli Überreichung der Bürgermedaille durch OB Zoll
Überreichung der Silbernen Bürgermedaille an Joske Ereli durch Oberbürgermeister Christian Zoll, 2001


Quellenangaben


Joske Ereli, Von Hampi Ehrlich zu Jossl Ereli - Meine Lebensgeschichte
Hans-Jürgen Beck, Kissingen war unsere Heimat, Stand April 2017, S.585 - 621
Mainpost, 19.10.2007externer Link
Website "Geschichte schreiben"externer Link

Bildnachweise


© Joske Ereli, Ein Gedi



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